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Spendenaufruf aus dem Kurdistan Blog der MLPD Wiesbaden

Brief von Abdallah Kurdi, Vater von Aylan Kurdi

Das Bild des kleinen Körpers des 3-jährigen Aylan Kurdi an einem Strand in der Türkei wurde sinnbildlich für die gegenwärtige Flüchtlingskrise. Heute (14.09.15) erhielten wir ('PEACE IN KURDISTAN') diesen Brief, geschrieben von Aylan's Vater, Abdallah und Enver Muslim, den er aus Kobane schrieb, wohin er zurückgekehrt ist.

Liebe Freunde,

es gibt sehr gute Informationen über Syrien und noch allgemeiner den Nahen Osten. Die Region ist hineingezogen in einen lokalen und internationalen Machtkampf. Unsere syrische Heimat wurde ein Brennpunkt dieses Kampfes, worin nun weder Sicherheit noch wirtschaftliche Stabilität vorhanden sind.

 

Das ist der Grund, dass Leute ihre Sachen gepackt haben, das Land ihrer Väter und Großväter verlassen, in der Hoffnung, Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben in anderen Ländern zu finden. Das Opfer solcher Machtkämpfe ist immer die Zivilbevölkerung.

Aus beiden Gründen, politische und wirtschaftliche Sicherheit, genau wie so viele andere Unschuldige, wurde ich gezwungen meine Heimat zu verlassen. Ich floh zunächst in einen anderen Teil Syriens und von dort ins Ausland, wo ich das Opfer von Schmugglern und Schleppern wurde, welche von anderen unglücklichen Schicksalen profitieren.

Der Preis war zu hoch. Ich habe meine Frau und meine beiden Kinder verloren. Und doch, meine Tragödie wird nicht die erste und nicht die letzte sein. Es ist wahrscheinlich, dass hunderte Familien auf diese Weise ausgelöscht werden.

Ich bin nun zurück im Land meiner Vorfahren und will hier bleiben, bei den Gräbern meiner Kinder und meiner Frau.

Diese Erde ist getränkt vom Blut der Märtyrer die Kobane verteidigt haben. Ich schreibe diesen Brief zusammen mit einem Vertreter der demokratischen Selbstorganisation von Kobane, begründet durch diejenigen, die diese Stadt gegen die Feinde der Menschlichkeit verteidigt haben.

Vor den Augen der Welt, im 21. Jahrhundert, wurden Menschen abgeschlachtet und Frauen und Mädchen verschleppt.

Liebe Freunde, ich möchte nicht, dass irgend jemand aus dieser Region, ob Kurde, Araber, Assyrer oder Armenier, das durchmacht, was ich durchgemacht habe. Und trotzdem, in der Geschichte haben diese Völker viel Schlimmeres als ich durchgemacht. Wer unter ihnen erinnert sich nicht an den Völkermord an den Armeniern, Assyrern und Juden im zwanzigsten Jahrhundert?

Ein wichtiger Schritt weg von einer Ideologie, die den Werten der Menschlichkeit widerspricht ist, dass wir zusammenleben in gemeinsamer Selbstverwaltung, Demokratie und Geschwisterlichkeit.

Ich schicke diesen Brief aus Kobane, der Stadt, die vier Jahre Krieg durchlebt hat. Sie war und ist noch ein Ziel von ISIS und anderen Gruppen, wie der AL-Nusra Front (AL Quaida Ableger in Syrien -red.) und Ahrar al-Sham. Achzig Prozent der Gebäude, Institutionen und Infrastruktur wurden dem Erdboden gleichgemacht, nicht nur in Kobane, sondern auch in den umliegenden Dörfern und Provinzen. Es gibt keinen Lebensstandard mehr, nur den Willen der Bevölkerung, die verbunden ist mit der Erde ihrer Väter und Großväter. Widerstand füllt weder Bäuche noch heilt er die Verletzten und die Kinder können nicht mehr zur Schule gehen. Wir wollen in Freiheit, in unserer Heimat, auf unserer Erde, leben.

Bitte helft uns!

Vielen Dank, dass eure Regierungen tausende Flüchtlinge aufgenommen haben. Das ist ein großer Akt der Menschlichkeit - aber ist es eine dauerhafte Lösung meine Damen und Herren? Wir lieben unsere Heimat, wie ihr euer Land liebt. Wir würden nicht emigrieren, und unsere Heimat verlassen, wenn uns nicht die terroristische Gewalt dazu gezwungen hätte. Nur die demokratische Selbstverwaltung und unsere Institutionen, solche, wie die YPG (Volksverteidigungseinheiten) sichern uns und versuchen uns die täglichen lebensnotwendigen Dingen zu erledigen. Wir bitten euch, diese Selbst-Verwaltung als Teil der syrischen Zukunft zu begreifen und damit eine neue freie Gesellschaft aufzubauen. Es würde eine große Hilfe für mich und mein Volk, sowie andere ethnische Gruppen sein, die in dieser Selbstorganisation leben. Damit können wir an der Beendigung der menschlichen Tragödie in meiner Heimat mitwirken.

Ich bin auch dankbar für euer Mitgefühl mit meinem Schicksal. Dies gab mir das Gefühl, dass ich nicht alleine bin. Ein notwendiger Schritt diese Tragödie zu beenden und ihr Wiederauftreten zu vermeiden ist die Unterstützung für unsere Selbstorganisation.

Zusammen mit unserer demokratischen Selbstverwaltung grüße ich euch und bedanke mich für eure Aufmerksamkeit.

Abdallah Kurdi, Vater von Aylan Kurdi

Enver Muslim, Präsident des Kantons Kobane

Kobane 12.09.2015

 

Spendenaufruf von Solidarität International für den Bau eines Gesundheitszentrums in Kobanê, mit den ICOR*-Brigaden:

Spendenkonto "Solidarität International e.V." IBAN: DE86 5019 0000 6100 8005 84 Stichwort:"Medizin für Rojava"

* ICOR = Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen. www.icor.info

 

(eingestellt von MLPD Wiesbaden: Eigene Übersetzung aus dem Englischen)

 

 

 

 

 

 

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